Der flandrische Schnitzaltar in Lünern wird renoviert

Erstellt am 09.01.2017

Der Dank des Presbyteriums gilt dem großzügigen Spender Rolf Kuhlmann, der  selbst ein häufiger Besucher der Kirche ist und sich und der Gemeinde auf diese Weise eine große Freude macht.

Vor über 500 Jahren taten sich fünf reiche Bauern und Adelige aus dem damaligen Kirchspiel Lünern zusammen und stifteten mit dem Altar die sogenannte Vikarie. Das bedeutete, dass neben dem Pfarrer, der damals oft mehrere Gemeinden zu betreuen hatte, ein weiterer Geistlicher am Ort für das kirchliche Leben zuständig war, seinen Dienst eben an diesem Altar tat. Der Altar wurde dann sehr wahrscheinlich in Antwerpen gefertigt und am Anfang des 16. Jahrhunderts installiert. Er gehört damit in die Reihe der sogenannten 'Antwerpener Retabel' (u.a. in Rynern, in der Petri-Kirche in Dortmund und ein Seitenaltar des Kölner Doms)

Der Altar entstand also genau zu der Zeit, als sich die Botschaft der Reformation ausbreitete. Hinweise auf die Reformation finden sich am Altar zwar nicht, er zeigt in vielen seiner Details allerdings Alltagsgegenstände und Kleidung aus seiner Entstehungszeit.

In über 70 großen Figuren stellt er neutestamentliche Szenen dar. Vor allem die Weihnachtsgeschichte und die Passion Jesu.

Wer sich näher mit den dargestellten Szenen beschäftigt, wird eine Fülle von Einzelheiten entdecken. Das ist heute besser möglich als je zuvor, denn vor zwei Jahren wurde der Altar mit speziellen LED-Scheinwerfern ausgeleuchtet. Nun sind auch die Darstellungen in der Tiefe des Reliefs zu erkennen.

Bei genauerer Betrachtung kommen aber auch die vielen kleinen und größeren Beschädigungen zum Vorschein. Das aufgebrachte Blattgold löst sich an vielen Stellen und so manche Figur zeigt Schäden.

Der Zahn der Zeit hat auch dieses Kunstwerk nicht verschont. Der Altar begleitet die Gemeinde schließlich schon durch fünf Jahrhunderte. In guten Jahren, aber auch in schlechten Zeiten, in Kriegen und Hungersnöten. Nicht immer waren das Geld und die Mittel vorhanden, um ihn so zu pflegen, wie es nötig gewesen wäre.

So sind schon am Ende des 19. Jahrhunderts die beiden bemalten Flügel, die einst den Altar zu bestimmten Zeiten des Kirchenjahres verschließen konnten, verloren gegangen.

Im 2. Weltkrieg dann wurde der Altar in einem Bergwerk-Schacht in Heeren-Werve sicher eingelagert. Zum Glück - denn am Ende des Krieges traf eine Granate die Kirche, die besonders den Chorraum schwer beschädigte und die historischen Fenster zerstörte. So aber blieb der Altar erhalten und konnte in den fünfziger Jahren überarbeitet und nach und nach wieder in der Kirche installiert werden.

Die aktuellen Arbeiten werden von der Restauratorin Monika Voss-Raker durchgeführt. Dabei geht es vor allem darum, die Farben und Blattgoldauflagen zu erneuern, aber auch Schäden zu beseitigen und den ursprünglichen Zustand so weit wie möglich wieder herzustellen. 

Für sechs Wochen wird der Altar nun verhüllt sein, um die Arbeiten ungestört durchzuführen.

Volker Jeck

 

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