Offener Brief der Präses unserer Landeskirche

Erstellt am 25.08.2013

Offener Brief an die Kirchenkreise und Kirchengemeinden zur Diskussion um Asyl-bewerber in Deutschland vor dem Hintergrund der rassistischen Angriffe auf das Asylbewerberheim in Berlin-Hellersdorf

 

Liebe Schwestern und Brüder, mit Erschrecken und voller Sorge verfolge ich die bundesweit beachtete Auseinan-dersetzung um das Asylbewerberheim in Berlin-Hellersdorf. Flüchtlinge, viele von Ihnen aus Kriegsgebieten und schwer traumatisiert, müssen erleben, wie vor der Un-terkunft, die ihnen Schutz bieten soll, Rechtsextremisten und Anwohner sie bedrohen und beleidigen. Fremde kommen zu uns, sind vor Hass und Verfolgung aus ihrer Heimat geflohen – und stoßen hier erneut auf Feindseligkeit und Ausgrenzung. Wie gut, dass da Menschen sind, die sich den rassistischen Angriffen entgegenstellen und ihre Unterstützung für die Asylsuchenden zum Ausdruck bringen. Ihre Zahl ist wesentlich größer. Darüber bin ich sehr froh. Auch bei uns in Nordrhein-Westfalen werden Asylunterkünfte vermehrt zum Ziel rassistischer Aktionen und Kampagnen, z.B. in Dortmund-Hacheney oder in Unna. Die zahlreichen Krisenregionen in unterschiedlichen Regionen der Erde verursachen steigende Asylbewerberzahlen in Deutschland. Rechtsextreme Gruppen und Parteien nehmen dies zum Anlass, gegen Flüchtlinge zu hetzen. Ohnehin vorhandene Ressen-timents und Ängste in der Bevölkerung werden gezielt geschürt, Fremdenhass wird angestachelt. Wir Christen sind selbst Fremdlinge, Dazugekommene. Wir wurden von Gott mit offenen Armen in sein auserwähltes Volk aufgenommen. Deshalb dürfen wir nicht wegsehen, wo Fremden Unrecht geschieht. Es ist unaufgebbarer Ausdruck unseres christlichen Glaubens, Flüchtlingen, die bei uns Schutz vor Verfolgung und Not suchen, beizustehen. Sie brauchen nicht nur Schutz vor Verfolgung und Not; ihre Würde verlangt auch eine gleichberechtigte Teilhabe am Gemeinwesen: „Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch und du sollst ihn lieben wie dich selbst“ (3. Mose 19,33f.). Jesus sagt in seiner Re-de vom Weltgericht: „Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenom-men“ (Matthäus 25,35). Ich bitte Sie: Tun Sie alles, was Ihnen möglich ist, um Flüchtlinge und Asylsuchende in Ihrem Umfeld zu schützen. Und: Beten Sie mit mir zusammen dafür, dass Menschen sich nicht gezwungen se-hen, aus Angst unser Land wieder zu verlassen. Gegenüber den politisch Verantwortlichen bringt unsere Evangelische Kirche von Westfalen unermüdlich zum Ausdruck, dass die humanitäre Verpflichtung für den Schutz von Flüchtlingen nicht durch steigende Asylbewerberzahlen relativiert wer-den kann. Ich bin überzeugt: Deutschland verkraftet auch noch weiter steigende Zugänge. Dazu braucht es die Bereitschaft von Bund, Ländern und Kommunen, ihre Konzeptionen zur Erstaufnahme von Asylsuchenden den neuen Bedingungen aktiv anzupassen und dabei die Bevölkerung frühzeitig mit einzubeziehen. In unseren Kirchenkreisen und Kirchengemeinden engagieren sich viele Menschen seit Jahren für Flüchtlinge, beraten und begleiten sie. Sie arbeiten dabei mit den Flüchtlingsberatungsstellen der Diakonie und anderer Wohlfahrtsverbände zusam-men. Dafür danke ich Ihnen herzlich. Ich bitte Sie, in Ihrem Engagement nicht nachzulassen. Auch dann nicht, wenn Sie müde werden. Ihr Tun hat die Verheißung des lebendigen Gottes. Besuchsdienste, Begegnungsveranstaltungen, Sachspenden und viele andere bewähr-te Hilfsaktionen sind gute Möglichkeiten, in persönlichen Kontakt zu kommen und Ängste abzubauen. Wir unterstützen Sie in Ihrem Engagement. Mit Pfarrer Helge Hohmann (Helge.Hohmann@kircheundgesellschaft.de) steht Ihnen unser landeskirchlicher Beauftragter für Zuwanderungsarbeit gerne zur Seite. Die Auseinandersetzung mit Rassismus und Rechtsextremismus unterstützt unsere „Gewaltakademie Villigst“ mit ihrem Leiter Dieter Frohloff (Dieter.Frohloff@afj-ekvw.de). In diesem Sinne: Lassen Sie uns gemeinsam Zeichen setzen. Im Gebet und im Tun des Gerechten. Ihre Annette Kurschus