Gedanken zum Sonntag - Andacht mit Audio-Datei und Video

Erstellt am 28.03.2020

Draußen vor der Mauer - 29. März 2020

12 Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.

13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.

14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Hebr. 13,12 - 14

 

Draußen vor den Mauern

Wir leben nicht nur in Corona-Zeiten, sondern auch in der Passionszeit.
Die Zeit im Jahr in der wir besonders an die leidenden Menschen denken.
Leid ist kein Fremdwort für unseren Glauben. 
Das Thema durchzieht die ganze Bibel.

Menschen leiden und sie suchen Antworten darauf. Untereinander und bei Gott. Sie klagen es ihm, werfen es ihm vor, streiten mit ihm, bitte um Abhilfe, kämpfen dagegen und manchmal resignieren sie.

Unser Glaube hat es immer mit dem ganzen Leben zu tun, nicht nur mit seinen schönen Seiten. So ist die Erfahrung des Glaubens voller Widersprüche: Gott will nicht, dass Menschen leiden, aber er verhindert es auch nicht. Es gibt Erfahrungen wunderbarer Hilfe und Heilung, aber es gibt auch bitteres Unrecht, Trauer und Tod. Gott erweist sich als mächtig und gewaltig in den Wundern seiner Schöpfung, aber auch als ohnmächtig, verletzlich und klein.

Gerade so aber, verletzlich, leidend und sterbend zeigt uns Jesus die ganze Tiefe der Liebe Gottes.

Die Menschen haben ihn gekreuzigt, draußen vor den Mauern der Stadt. Sie haben ihn ausgeschlossen, verstoßen, ausgesondert aus ihrer Mitte.

Aber nie war Gott ihnen näher als in dem Moment, in dem Jesus unter ihrer Gewalt stirbt. Denn er verlässt Jesus nicht, auch nicht in diesem Moment. Gott ist den Menschen zum Menschen geworden.

Hass und Gewalt wird es weiter geben, aber sie sind schon jetzt überwunden durch Gottes Liebe.

Leid wird es weiter geben, aber kein Leid trennt uns mehr von Gottes Nähe.

‘Lasst uns hinaus gehen vor die Stadt.’ lädt uns der Bibeltext dieses Sonntags ein. Lasst uns hinaus gehen, dorthin wo Christus schon auf uns wartet.

Dort hin, wo Menschen leiden. Dorthin, wo Menschen einsam sind. Dort hin, wo Menschen sterben in Krankenhäusern und Hospitälern, in Lagern und auf der Straße. Dorthin wo Menschen um jeden Einzelnen kämpfen, in der Pflege, in der Verwaltung, in den Diensten von Feuerwehr und Polizei, in der Nachbarschaft und in den Familien.

Überall wo Menschen ihre Arbeit tun, aufrecht und anständig, Tag für Tag.

Draußen vor die Stadt, draußen auch vor die Mauern unserer eigenen Herzen, dortin wo in diesen Tagen der Frühling so beeindruckend schön das Lied des neuen Lebens singt, zu Gottes Ehre.

Gott segne Sie mit der Fülle des Lebens und halte sie geborgen in seinen liebvollen Händen

Ihr Pfarrer Volker Jeck     

Vater unser

Audio-Datei zur Andacht