Gedanken zum Frühling

Erstellt am 24.03.2020

Er ist's
Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
- Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab' ich vernommen!

Eduard Mörike (Erstdruck 1828)

 

Liebe Leser*innen! Vielen von Ihnen ist dies Gedicht von Mörike sicher noch aus Schultagen bekannt. Heute war wieder ein sonniger, wenn auch noch kühler Tag. Doch spüren wir den Frühling doch, und wir sehen ihn vor allem.

Jedes Jahr um diese Zeit erfreut mich mein "Frühlingsstrauch" - so nenne ich ihn - mit wunderbarer Blütenpracht. Er erinnert mich an ein Mandelbäumchen, das früher im Garten meiner Eltern jeden Frühling blühte. Ich freue mich dann, die Bienen zu beobachten, die die Blütenkelche anfliegen und fleißig Nektar sammeln. Und ich sehe, wie die anderen Sträucher und die Rosen austreiben, und die Tulpen, Primeln und Osterglocken kommen oder schon da sind. Und ich sehe die Vögel, die in den Sträuchern herum hüpfen, höre ihr Gezwitscher. Und ich sehe, dass meine Katzen ihr Winterfell verlieren. Sicher ist auch bald der Maulwurf wieder da, der meinen Rasen manches Jahr schon in eine Kraterlandschaft verwandelt hat. Und der Apfelbaum treibt seine Blütenknospen aus.

Der Frühling kommt, ist schon da. Er ist's - und er ist vor allem nicht abgesagt. So wie die Beziehungen, in denen wir leben, auch wenn wir sie derzeit manchmal nur über das Internet oder Telefon oder Soziale Medien pflegen können. Aber das zeigt ja, dass wir doch den Blick füreinander haben. Das ist nicht abgesagt, und schon gar nicht ist unsere Zukunft abgesagt. Und das ist gut so! Und dann denke ich manchmal: Gott lacht mir zu und ich weiß: er ist bei uns, auch wenn wir jetzt eine Zeit lang vereinzelt sind.

Herzlichen Gruß zum Frühlingsanfang

Gerd Ebmeier