Sonntagsandacht 10. Mai

Erstellt am 09.05.2020

Du, meine Seele, singe!

Liebe Leser*innen!

„Kantate“ heißt der heutige Sonntag. „Singt!“ „Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Das ist der Spruch aus Psalm 98, der über dem heutigen Tag und der ganzen Woche steht. Singen würde ich heute gerne, das ist für mich so wichtig; Singen macht die Seele weit, Singen in der Gemeinschaft trägt und verbindet.

Aus dem Predigttext, der für den heutigen Sonntag vorgeschlagen ist, nenne ich nur einen Satz: „Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: ‚Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig‘, da wurde das Haus (der Tempel!) erfüllt mit einer Wolke als das Haus des HERRN.“ (2 Chronik 5, 13). So wird es von der Weihe des ersten Jerusalemer Tempels berichtet. König Salomo hatte ein Riesenaufgebot an Priestern, Tempeldienern, Musikern, hochrangigen Leuten aus Jerusalem und dem Königreich versammelt. Mich beeindruckt dieser eine Vers: auf die Musik und den Lobgesang hin war Gott im Tempel sichtbar, fühlbar gegenwärtig. Gesang, Musik verbindet uns untereinander und mit Gott. Singen ist so ein menschliches Grundbedürfnis. Das kann man im Fußballstadion wie in der Kirche, bei Geburtstagen, oder auch beim Schützenfest spüren oder auch bei Kinderliedern.

So gern würde ich selbst wieder Gottesdienste mit Gesang feiern, gerade heute. Ich weiß, viele würden es auch gern tun. Vorgestern war 75. Gedenktag an das Ende des Zweiten Weltkriegs und das, was sich in mühevollem Neuaufbau in Europa und in unserem Land entwickelt hat, ist des Dankens und Singens wert. Wenn wir den Frühling um uns herum erleben, Öffnungen nach langen Beschränkungen erleben, dann möchten wir unsere Freude heraus singen. Darum liebe ich das Lied von Paul Gerhardt. Im 17. Jahrhundert dichtete er, fünf Jahre nach dem Ende  des Dreißigjährigen Krieges, zum 146. Psalm sein Lied „Du, meine Seele, singe!“ (eg 302).

Das ist wie ein inneres Gespräch: Du, also ich selbst als mein inneres Gegenüber, fordere mich zum Singen auf, zum Besingen der Schönheit des Lebens, der Welt und der Güte Gottes. Mich mit anderen verbinden im Singen und Gott als den Liebenden auch in schwierigen Zeiten erkennen, das passt in unsere Zeit, zu diesem Wochenende. Ich glaube, dass jede*r von uns ein Lieblingslied hat, dass wir gern singen, ein Lied, das die Welt und das Leben trotz allem als schön, gesegnet und lebenswert erscheinen lässt. Solche Lieder kommen uns aus tiefstem Herzen über die Lippen. Sie erklingen nicht ins Leere, sie öffnen in uns selbst weite Räume und bringen uns zum Schwingen.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie heute Ihr Lieblingslied singen und vielleicht auch einmal das Lied „Du, meine Seele, singe!“ (eg 302) und spüren: „La vie est belle“ - Das Leben ist schön und Gott steht dahinter.

Ich wünscht Ihnen einen schönen Sonntag

Pfr. Gerd Ebmeier

 

EG 302 „Du, meine Seele, singe!“

1. Du meine Seele, singe, / wohlauf und singe schön / dem, welchem alle Dinge / zu Dienst und Willen stehn. / Ich will den Herren droben / hier preisen auf der Erd; / ich will ihn herzlich loben, / solang ich leben werd.

2. Wohl dem, der einzig schauet / nach Jakobs Gott und Heil! /  Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil, / das höchste Gut erlesen, / den schönsten Schatz geliebt; / sein Herz und ganzes Wesen / bleibt ewig unbetrübt.

3. Hier sind die starken Kräfte, / die unerschöpfte Macht; / das weisen die Geschäfte, / die seine Hand gemacht: / der Himmel und die Erde / mit ihrem ganzen Heer, / der Fisch unzähl’ge Herde / im großen wilden Meer.

4. Hier sind die treuen Sinnen, / die niemand Unrecht tun, / all denen Gutes gönnen, / die in der Treu beruhn. / Gott hält sein Wort mit Freuden,  / und was er spricht, geschicht; / und wer Gewalt muss leiden, / den schützt er im Gericht.

5. Er weiß viel tausend Weisen, / zu retten aus dem Tod, / ernährt und gibet Speisen / zur Zeit der Hungersnot, / macht schöne rote Wangen / oft bei geringem Mahl; / und die da sind gefangen, / die reißt er aus der Qual.

6. Er ist das Licht der Blinden, / erleuchtet ihr Gesicht, / und die sich schwach befinden, / die stellt er aufgericht’. / Er liebet alle Frommen, / und die ihm günstig sind, / die finden, wenn sie kommen, / an ihm den besten Freund.

7. Er ist der Fremden Hütte, / die Waisen nimmt er an, / erfüllt der Witwen Bitte, / wird selbst ihr Trost und Mann. / Die aber, die ihn hassen, / bezahlet er mit Grimm, / ihr Haus und wo sie saßen, / das wirft er um und um.

8. Ach ich bin viel zu wenig, / zu rühmen seinen Ruhm; / der Herr allein ist König, / ich eine welke Blum. / Jedoch weil ich gehöre / gen Zion in sein Zelt, / ist’s billig, dass ich mehre / sein Lob vor aller Welt.

Text: Paul Gerhardt 1653              Melodie: Johann Georg Ebeling 1666