Ein besonderer Ort auf dem Friedhof

Erstellt am 02.06.2021

Als Friedhofsgärtner der Kirchengemeinde Hemmerde-Lünern betreut Heinrich Tüttmann seit Jahren den Friedhof in Lünern. Er kümmert sich dort um die Pflege einzelner Gräber, um Hecken, Rasenflächen, Wege und Anlagen des Friedhofs. Er unterstützt aber auch die Bestatter bei Beerdigungen und ist als Ansprechpartner für Friedhofsbesucherinnen und -besucher vor Ort.

Dass Menschen irgendwann aus dem Leben gehen, ist für uns „fast normal“ und eine Gewissheit unserer Existenz. Der Tod eines lieben Menschen hinterlässt jedoch immer eine große Lücke. Bei alten Menschen ist es manchmal etwas leichter, den Tod zu akzeptieren, da sie in der Regel „ein Leben hatten“, das sie trotz aller Schwierigkeiten ihrer Zeit leben durften.

Besonders schmerzhaft und noch viel weniger anzunehmen ist es, wenn junge Menschen oder gar Kinder und Neugeborene versterben. Und dann gibt es noch eine Gruppe von sehr kleinen Menschen, die erst gar nicht die Chance bekommen, ihr Leben wirklich zu beginnen: Kinder, die noch im Mutterleib versterben. Und genau diese Kinder beschäftigen unseren Gärtner schon sehr lange, verbunden mit der Frage: Wo können wir sie würdig beisetzen?

Als ich vor gut einem Jahr „Friedhofspresbyter“ wurde, war das eines der ersten Anliegen Tüttmanns, dafür eine gute Lösung zu finden. Und eine schöne Stelle auf unserem Friedhof hatte er auch schon vor Augen. Was fehlte, war eine sichtbare Markierung zur Kenntlichmachung dieser Stelle. Heinrich Tüttmanns Vorstellung war ein schöner Baum, unter dem wir zukünftig – etwas abseits der Hauptwege – einen angemessenen Beisetzungs- und Trauerort für ungeborene Kinder anbieten können.

Dieser Ort ist am 28. April mit der Anpflanzung einer Trauerbirke an der südlichen Grenze unseres Friedhofes in Lünern eingerichtet worden – in der Hoffnung, dass der Baum gut anwächst, von Wühlmäusen verschont bleibt und möglichst nie für das zum Einsatz kommt, wofür er gepflanzt wurde.

Ihr Friedhofspresbyter (und in diesem Falle auch Baumspender)

Georg Wöstmann