Suchet der Stadt Bestes

Erstellt am 14.10.2020


Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn;

denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's euch auch wohl. Jer 29,7

Eigentlich hatte ich darauf gehofft, dass es nun langsam vorbei wäre.

Aber im Gegenteil! Die Corona - Epidemie überfällt den Kreis Unna zur Zeit schlimmer als in den Monaten zuvor. Es ist frustrierend.

Die Angst geht erneut um. Menschen gehen sich aus dem Weg, freundliche Umarmungen erscheinen gefährlich, Händeschütteln wird zur Bedrohung, Familienfeste geraten unter Verdacht.

Die Hoffnung auf unbeschwerten Urlaub in den Herbstferien ist für viele Familie plötzlich dahin.

Wir sind Risikogebiet! Wer aus Unna kommt, den darf man an vielen Orten des Landes zur Zeit nicht beherbergen. Andere Orte dürfen wir nicht einmal betreten. Es ist verrückt!

Und doch scheint es irgendwie vernünftig. Die Infektionszahlen steigen erschreckend. Die Berichte und Bilder aus dem europäischen Ausland sind bedrohlich.

‚Suchet der Stadt Bestes‘ lautet der Monatsspruch für Oktober. Der Prophet Jeremia hat das vor mehr als 2500 Jahren an seine Landsleuten in der Babylonischen Gefangenschaft geschrieben.

Eine Zumutung! Für die Stadt der Sieger beten? Für die Stadt, die Symbol der Niederlage war. Für die Stadt, in der die Israeliten nicht freiwillig lebten, sondern gezwungen durch die Macht fremder Herren. Aber selbst damals galt die simple Einsicht, dass niemand sich allein sein Wohl erhalten kann. Das Wohl der Einzelnen ist immer auf die eine oder andere Weise abhängig vom Wohl der Stadt, des Landes und der Gesellschaft in der wir leben.

Wenn es uns auf Dauer gut gehen soll, müssen wir an das Ganze denken und deshalb mit unseren eigenen Ansprüchen und Wünschen manchmal zurück stecken.

Wir haben es heute viel einfacher, als die Menschen damals in Babylon. Wir leben in der eigenen Stadt, unter Menschen, die uns am Herzen liegen. Wir kennen uns aus und wir wissen, dass wir vieles gemeinsam erschaffen haben und es nun auch gemeinsam erhalten können.

Es liegt auf der Hand: das Wohl unserer Dörfer und unserer Stadt ist grundlegend für unser eigenes Wohl und das Wohl der Stadt liegt am Wohl des Landes und nicht nur das. Gerade die Pandemie hat uns gezeigt, wie sehr heute die Dinge auf unserer ganzen Erde zusammen hängen.

Nur wenn die Pandemie überall überwunden ist, können auch wir wieder frei leben.

Dafür lohnt es sich, noch eine Weile Einschränkungen hin zu nehmen, kleiner zu feiern, Abstände zu halten und Atemschutz zu tragen.

In der Kirchengemeinde versuchen wir zur Zeit vorsichtige Schritte in eine neue Normalität: Wir feiern unter neuen Regeln Gottesdienste, Gruppen treffen sich wieder, Konzerte sind in Planung und es gibt eine Fülle von Ideen für Advent und Weihnachten. Ich staune darüber, wie kreativ, fröhlich und engagiert unsere Mitarbeiter*innen mit der schwierigen Situation umgehen.

Lasst uns gemeinsam für unsere Stadt und unsere Gemeinde sorgen und für sie beten, damit es uns gemeinsam bald wieder gut geht.

Pfarrer Volker Jeck