Andacht zur Losung aus dem Buch des Propheten Jesaja, Kapitel50, Vers 4:

„Gott der HERR hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse mit den Müden zu rechter Zeit zu reden.“

Neutestamentlicher Lehrtext dazu aus dem 2. Korintherbrief, Kapitel 1, Vers 4: „Auch wir können trösten, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.“ 1938, in einer der dunkelsten Zeiten in Deutschland, dichtete Jochen Klepper das Lied „Er weckt mich alle Morgen“ (Ev. Gesangbuch, Nr. 452).

Die ersten beiden Strophen dieses Liedes lauten: 1. Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr. Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor, dass ich mit seinem Worte begrüß das neue Licht. Schon an der Dämmrung Pforte ist er mir nah und spricht. Jesaja 50,4.5 2.

2. Er spricht wie an dem Tage, da er die Welt erschuf. Da schweigen Angst und Klage; nichts gilt mehr als sein Ruf. Das Wort der ewgen Treue, die Gott uns Menschen schwört, erfahre ich aufs neue so, wie ein Jünger hört.

Liebe Leser*innen, zu diesem Text aus Jesaja und diesem Lied habe ich eine ganz besondere Beziehung. Als ich vor vielen Jahren in der Christus-Kirche in Bochum Linden ordiniert wurde, habe ich dies Lied als Morgenlied ausgewählt und dann sprach mich der damalige Superintendent des Kirchenkreises Bochum, der mich ordiniert hat, an, da hätten wir ja beide denselben Gedanken gehabt. Seine Ansprache sei nämlich zu dem Jesajatext, der dem Lied zugrunde läge.

Wir können, ja manchmal müssen wir reden. Aber davor kommt das Hören. Beides gehört zusammen. Das empfinde ich als das unglaublich Tröstliche an den Worten aus dem Jesaja-Buch, entstanden in einer schlimmen Not-Zeit von Trauer und Entfremdung aus dem eigenen Leben: Gott selbst redet immer noch mit uns und hat uns nicht vergessen. Auch wenn das dieser Tage manchem so vorkommen mag. Sein „Wort der ewgen Treue“ ist da und bleibt bestehn, was auch geschieht. Weil Gott der treue, liebende, hinsehende und mitgehende Gott ist. Das hat er uns in dem Menschen Jesus gezeigt, dessen Geburt wir feiern.

Manchmal spüre ich, dass ich bei manchen Worten aus der Bibel mich finde und meine Situation auf einmal darin wieder. Manchmal bete ich und dann werde ich ruhiger und zugleich mutiger.

Gott traut mir sogar zu, zu tun, was er Gott selbst tut: reden und trösten, er traut uns das zu, wie Jesus seinen Jüngern zutraut das Wort von Liebe und Leben zu verkünden, zu trösten und an der Seele zu heilen, die Hilfe brauchen. Wir können trösten, weil Jesus uns anhält selbst hinzusehen und hinzuhören. Denn das macht Trost ja gerade aus: kein schulterklopfendes „Wird schon wieder“, sondern einfach da sein und zuhören und dann aus eigener Glaubenserfahrung sagen, was jemand sich gerade in seiner aktuellen Lage nicht selbst sagen kann.

Ich wünsche Ihnen einen sonnigen Tag voller Licht.

Gerd Ebmeier