Evangelische Kirche Lünern

Die ursprünglich romanische Bauweise lässt sich nur noch am Turm erkennen. 1726 wurde der Turmhelm in der heutigen Form vollendet und Kreuz und Wetterhahn erhielten ihren Platz. 1873/74 wurde als letzte tiefgreifende bauliche Veränderung der nördliche querhausartige Anbau hinzugefügt.

Die älteste Bauphase der alten Wehr-Kirche am Hellweg geht ins 12. Jahrhundert zurück.

Möglicherweise hatte sie eine Vorgängerin in einer Kapelle aus der Zeit Karl des Großen. Im 14. und 15. Jahrhundert erfuhr die Kirche mehrere tiefgreifende bauliche Veränderungen im gotischen Stil.

Die einschiffige, zweijochige Kirche ist aus grünem Sandstein erbaut und erhielt erst in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts, im Rahmen einer großen Renovierungsmaßnahme, ihren heutigen Außenputz.

Wie viele Kirchen ist sie geostet, so dass die Längsachse in West-Ost Richtung verläuft.

Betritt man durch den Haupteingang das Kircheninnere, wird der Blick unweigerlich auf den reich vergoldeten Schnitzaltar in der Chorapsis gelenkt. Mit einer Höhe von ungefähr vier Metern und einer jetzigen Breite von drei Metern beherrscht er den Chorraum. 

Der Altar wurde Ende des 15. Jahrhunderts von Bauern des Kirchspiels Lünern und dem damaligen Lehnsherrren der Kirche gestiftet. Wahrscheinlich um das Jahr 1520 wurde er fertig gestellt. Der Altar zeigt in 70 großen und etlichen kleineren geschnitzten Figuren Szenen aus dem Leben Jesu. Die Darstellung ‘erzählt’ dabei das Geschehen in vielen kleinen Nebenszenen. Beherrschend ist die Darstellung der Passion Jesu in den oberen drei großen Feldern. 

Zentral wird die Kreuzigung dargestellt, links davon Jesu Weg nach Golgata und rechts die Abnahme seines Leichnams vom Kreuz und die Beweinung. Die Szenen sind jeweils reich ausgeschmückt. Die Personen sind dargestellt in der Mode und mit Alltagsgegenständen vom Anfang des 16. Jahrhunderts. 

Unter den drei großen Feldern wird in sechs kleineren Feldern das Geschehen um die Geburt Jesu gezeigt: Die Verkündigung der Geburt durch den Engel Gabriel, die Heirat von Maria und Josef, die Anbetung der Hirten nach der Geburt Jesu in Bethlehem, die Anbetung der drei Weisen, die Beschneidung Jesu und die Darstellung im Tempel. 

Der Unterbau, unmittelbar über dem Altartisch, zeigt die Grablegung Jesu.

 

 

 

 

Die Gesichter der Gestalten wirken zunächst eher unbewegt und typisiert. Die Szenen entfalten aber dennoch eine enorme Dramatik, indem sich die Figuren dem Betrachter zuwenden und ihn in das Geschehen einbeziehen. Ursprünglich hatte der Altar zwei bemalte Flügel, die die figürlichen Darstellungen im Innern über den größten Teil des Jahres verdeckten. Diese Altarflügel sind aber bald verfallen und waren bereits Ende des 18. Jahrhunderts nicht mehr vorhanden.

 

Im 2. Weltkrieg wurden die Fenster der Kirche durch Granatbeschuss zerstört. Prof. Thol gestaltete 1952 die Fenster links und rechts hinter dem Altar neu. Die Fenster geben dem Altar auf andere Weise seine verlorenen Flügel zurück. Die dargestellten Szenen ergänzen bewusst Motive aus dem Leben und aus der Lehre Jesu, die der Altar nicht zeigt. 

Links sind es vor allem Wunderhandlungen und andere Geschichten aus dem Handeln Jesu, rechts sind es die Darstellungen seiner Gleichniserzählungen. Ganz oben werden der Einzug nach Jerusalem, das letzte Abendmahl und die Auferstehung dargestellt. 

Am südlichen Chorpfeiler führt eine Kastentreppe auf die Kanzel hinauf. Die Kanzel entstand etwa um 1680 in der Werkstatt des Bildhauers Johannes Sasse in Attendorn. 

Die Kanzel ist geschmückt mit der Darstellung der vier Evangelisten, den Autoren der Lebensgeschichten Jesu in der Bibel. Sie sind jeweils begleitet mit den für sie typischen Symbolen. Matthäus mit dem Engel (Einsicht), Markus mit dem Löwen (Majestät), Lukas mit dem Stier (Kraft) und Johannes mit dem Adler (Beweglichkeit). Über dem sechsseitigen Schalldeckel steht Gottvater segnend mit der Weltkugel in der Hand.

In der Barockzeit wurde es zur Regel, dass eine Predigt nicht länger als eine Stunde dauern sollte. Darum wurde 1727 das Stundenglas eingeführt. Ein solches steht noch heute auf der Kanzel. Die drei noch vorhandenen Gläser laufen immer noch eine viertel, eine halbe und eine ganze Stunde. 

Der Taufstein ist das älteste Ausstattungsstück. Er wurde aus hellem Sandstein im 12. Jahrhundert gefertigt. Das Messingbecken, dass ihn heute abdeckt wurde erst sehr viel später hinzugefügt. Er ist das einzige erhaltene Stück aus der Erbauungszeit. 

An der Nordseite der Chorapsis befindet sich unterhalb des Fensters eine farbig gestaltete Öffnung. Diese Sakramentsnische stammt aus dem 15. Jahrhundert. Der Abendmahlskelch stammt aus dem Jahre 1688. In der Lünerner Kirche sind in den Fußboden 2 Grabplatten eingelassen. Im Mittelalter wurde der Kirchenraum für die Gräber von hohen Geistlichen , Gründern und Stiftern genutzt.

Das Geläut der Kirche besteht aus drei Glocken. Die größte Glocke aus dem Jahr 1771 wurde während des ersten Weltkrieges zur Munitionsgewinnung eingeschmolzen. Sie wurde im Jahr 1926 durch eine Stahlglocke ersetzt. Diese war wiederum 1989 schadhaft und wurde gegen eine Bronzeglocke von Petit & Edelbrock aus Gescher getauscht. Die mittlere Glocke stammt aus dem Jahr 1601. Die kleinste Glocke ist die älteste und wurde im Jahr 1472, vermutlich in Dortmund, gegossen. Sie klingt in Lünern nun seit über 500 Jahren.

Das jüngste Stück in der Ausstattung der Kirche in Lünern ist die zweimanualige Orgel. Sie wurde 1998 durch die Fa. Freiburger Orgelbau geschaffen. Durch die Einbeziehung romantischer Register und durch eine sehr charakteristische Intonation ergibt sich eine erstaunliche Vielseitigkeit dieser Orgel. Zusammen mit der Sub-Oktav-Koppel entsteht eine für diese Orgelgröße ungewöhnliche Gravität im Klang.

Der Dachstuhl der Kirche ist begehbar

Nun ist auch der Dachstuhl der Kirche in Lünern begehbar. Über dem Kirchenschiff wurde ein stabiler Holzsteg eingezogen. Damit ist der Weg über die Gewölbe der Kirche nun gefahrlos möglich.

So kann nun auch die Erntekrone ohne die früheren halsbrecherischen Kletteraktionen unter die Decke der Kirche gehängt werden. Manch ein Besucher der Kirche wird in Zukunft einen Blick werfen können in das beeindruckende Gewölbe hoch über der Kirche.

Unter anderem gibt es dort, riesige, viel Jahrzehnte alte, Spinnennetze zu bestaunen. Ein Naturdenkmal ganz besonderer Art.

Zusatzinformationen

Restaurierung des Altars