Wanderung zur Pastorenbrücke im Bimbergtal am 08.07.2017

Erstellt am 13.07.2017

Am 8. Juli war es endlich soweit. Bei bestem Wetter machten sich die zwei Wandergruppen von Lünern und Frömern auf den Weg, um an historischer Stelle an den gemeinsamen Reformator Heinrich von Steinen zu erinnern.

Das findet sich nicht häufig, dass nach fast 500 Jahren Reformation sich zwei Kirchengemeinden mitten in einem bewaldeten Bachtal treffen. Und zwar genau an der Stelle, an der von Steinen hoch zu Ross ober zu Fuß den LünernerBach sonntags überqueren musste, um von Frömern nach Lünern zu gelangen. Denn beide Dörfer mit ihren Pfarreien gehörten zu seinen Sprengeln.

Und um trockenen Fußes den Grenzbach zwischen Fröndenberg und Unna zu überqueren wurde für den Kirchweg eine Holzbrücke errichtet, die dann mit der Bezeichnung "Pastorenbrücke" jahrhundertelang ihre Dienste tat. Genau dies und mehr zur Person Heinrich von Steinens berichtete sachkundig Alfred Leider aus Frömern am Samstag.

Staubig, müde und hungrig, begleitet vom Frömerner Posaunenchor und angeführt von einem "Kardinal" überquerte der Gemeindetross die heutige symbolische Brücke. Und auf der anderen Seite wurden sie von den Lünerner Protestanten begrüßt, die ihrerseits vom Posaunenchor Lünern unter Begleitung eines stichelnden Mönches den langen Weg von Lünern den Bach herauf pilgerten.

Was für eine Symbolkraft, als dann die Vereinigung der beiden Chöre und der Gemeindeglieder unter den aufgestellten Pavillions mit dem gesungenen Lied "Ein feste Burg ist unser Gott" stattfand. Und damit begann auch die Andacht die Pfarrer Jeck aus Lünern und Pfarrer Biermann aus Frömern mit treffenden Worten und Segenswünschen hielten.

Das wäre ja fast alles gewesen, denn Kaffee und Kuchen aus beiden Dörfern machten schon so manchen Mund wässerig mit Blick auf den Kuchenstand. Aber plötzlich richteten sich die Blicke rückwärts auf einen stattlichen, wortgewaltigen Pfarrer, der sich mit "Gestatten, Heinrich von Steinen" der Gemeinde vorstellte.

Und dann wurde Klartext geredet wie er als Pfarrer vor 500 Jahren sich dem lutherischen Gedankengut annäherte. Wie er eine Bürgermeistertochter ehelichte und das Abendmahl nun in beiderlei Gestalt mit der Gemeinde feierte. 1545 war das historisch belegt in Frömern. Und in Lünern? Nun wurde es interessant. Wie ist das möglich? In Frömern lutherisch mit geteiltem Bett und Kind und in Lünern noch 10 lange Jahre katholisch? Da ging doch so manches Schmunzeln durch die Reihen und so mancher schweifte in seinen Gedanken weit ab. Wolfgang Patzkowsky, als Heinrich von Steinen, hat es jedenfalls hervorragend verstanden, uns humorvoll in die damalige Zeit zu entführen.

Es passte an diesem Samstag alles und lag ganz gewiss auch an den Vielen aus beiden Gemeinden, die zum Gelingen dieses Treffens beigetragen haben. Und seit diesem Samstag ist die Pastorenbrücke für so manchen nun ein Begriff für gelebte Kirchengeschichte auf den Dörfern, die es sich lohnt ab und zu in Erinnerung zu rufen.

Ulrich Schmidt