Mehr als 25 Jahre Knast: Der JVA - Besuchsdienst

Frau Felicitas Kraushaar berichtet im Gespräch mit Martina Hitzler über ihre Arbeit.                                                                                                                 

Jesus spricht „Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen.“ Matthäus 25

Vor 27 (25+2) Jahren wurde der JVA-Besuchskreis von Pfarrer Dunker und dem damaligen Anstaltspfarrer Aden gegründet

Ich sitze bei einer Tasse Kaffee mit Frau Kraushaar in Ihrem Wohnzimmer und wir sprechen über ihre ehrenamtliche Tätigkeit.

Heute umfasst die Gruppe 11 Personen:

Herr und Frau Hartleif, Frau Schiffner, Frau Kratsch, Frau Illian, Pfarrer Ebmeier, Herr und Frau Kraushaar, zwei Personen aus Paderborn und Werl und der Anstaltspfarrer. Frau Kraushaar und Frau Schiffner sind von Beginn an und die anderen zwischen 5 – 20 Jahren dabei. „Wir wollen die Mauern etwas durchlässiger machen und der Einsamkeit dieser Menschen, die fast keinerlei soziale Kontakte mehr haben, entgegenwirken“ sagt Frau Kraushaar, denn die Einsamkeit sei, neben dem Gefühl der Schuld, die stärkste Belastung für die Häftlinge.

Mit Schuld zu leben, ist nicht einfach, und die Gefangenen setzen sich mit diesem Thema viel auseinander. Mancher baut sich aber auch einen Schutzwall, um nicht über sein kaputtes Leben nachdenken zu müssen.

Was tut die JVA-Gruppe nun konkret?

Kreuz von einem Häftling aus Metallresten gefertigt.

Jeden zweiten Donnerstag im Monat fährt die Gruppe nach Werl. Sie trifft sich mit dem Anstaltspfarrer in der Anstaltskirche und die Gefangenen, ca. 20 Männer, warten dort bereits auf ihren Besuch. Nach einer herzlichen Begrüßung sitzen alle im Kreis und es wird eine Andacht/Meditation abgehalten.

Es wird gemeinsam gesungen, gemeinsam diskutiert und danach am Tisch in Kleingruppen bei Kaffee und Kuchen weiter über das Gehörte geredet oder einfach nur über Gott und die Welt gesprochen. 

Auch wird viel gelacht, was für die Gefangenen sehr wichtig ist. „Wir wollen ihnen für ein paar Stunden „Normalität“ in den Knastalltag bringen und ihnen von unserem Glauben erzählen“ berichtet Frau Kraushaar offen.

 

„Es handelt sich um einen reinen Gesprächskreis ohne irgendwelche Verpflichtungen.

Niemand muss über die Gruppenabende hinaus tätig werden“, versichert Frau Kraushaar. Viele Insassen öffnen sich im Laufe der langjährigen Besuche und erzählen davon, wie alles gekommen ist und schütten ihr Herz aus. Dabei haben sie meist zu einem der Besucher ein besonderes Verhältnis entwickelt. „Die Taten kann ich nicht akzeptieren und verstehen, aber ich will den Menschen dahinter sehen“, betont Frau Kraushaar.

„Wir gehen nicht in die JVA um zu urteilen, denn verurteilt sind die Männer ja bereits.“

Eines der schönsten Geschichten, die mir Frau Kraushaar erzählte, war die von dem Gefangenen, der aus verrosteten Metallabfällen ein Kreuz hergestellt hat. In der Mitte, in der sich die beiden Balken kreuzen hat er die Stelle hoch glänzend poliert, denn hinter jedem Menschen, sei er auch ein Verbrecher, steckt doch ein glänzender Kern! Der Beamte der Arbeitstherapie hat noch eine Plakette gefertigt, darauf steht „Auch stumpf geglaubtes Metall offenbart seinen Glanz, wenn jemand seinen Wert erkennt und daran arbeitet.“ Das hat mich sehr gerührt.

Sowohl die Mitglieder des JVA-Kreises als auch die Insassen sind schon jahrelang dabei. Wenn Sie Interesse daran haben, bei dieser Arbeit mitzumachen, melden Sie sich bei Felicitas Kraushaar. Die Gruppe würde sich über Neuzugänge sehr freuen.

felicitas.kraushaar@unitybox.de

Martina Hitzler

Kontakt

Erika Schiffner
Tel.: 02308 2245
E-Mail: erischiff@t-online.de

Treffen

jeden 2. Donnerstag um 18:00